Evangelium des Tages

Die Geburt Jesu: das rettende Kind, der Christus, der Herr

Evangelium der Messe in der Nacht, Lk 2,1–14)

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José Ricardo F. Bezerra 

Einleitung
Zu Weihnachten stellt uns die Kirche eines der Geheimnisse des christlichen Glaubens vor Augen: Gott ist in die menschliche Geschichte eingetreten, die Menschwerdung des Wortes. Das Evangelium der Christmette (Lk 2,1–14) erzählt keinen Mythos und kein religiöses Symbol, sondern ein konkretes Ereignis, verortet in Zeit, Raum und der Geschichte der Menschen. Die Geburt Jesu geschieht unter dem Erlass eines römischen Kaisers (Kaiser Augustus), an einem bestimmten Ort (Bethlehem in Judäa), mit realen Personen (Maria und Josef), unter einfachen und armen Umständen.

In diesem Evangelium betrachten wir, wie Gott beschlossen hat, uns entgegenzukommen: nicht durch Gewalt, nicht durch politische Macht, nicht inmitten von Luxus und Reichtum oder umgeben von menschlicher Herrlichkeit, sondern durch die Demut eines Kindes, in Windeln gewickelt und in eine Krippe gelegt. Weihnachten lehrt uns, wer Gott ist, und zeigt zugleich den Weg, auf dem Er aufgenommen werden will, sowie das Zeichen, an dem man Ihn findet.

Im Folgenden schlagen wir sieben Punkte vor, die im Podcast (https://youtu.be/2Itqr3hZnpw) bedacht wurden, um beim persönlichen Gebet mit dem Wort Gottes an diesem heiligen Weihnachtstag zu helfen.

  1. Der Erlass des Kaisers Augustus
    Der heilige Lukas beginnt den Bericht von der Geburt Jesu mit dem Hinweis auf den Erlass des Kaisers Augustus. Das ist kein nebensächliches Detail. Der Evangelist will deutlich machen, dass das Kommen des Sohnes Gottes innerhalb der konkreten Geschichte der Menschen geschieht. Die Weihnachtsgeschichte beginnt nicht mit einem „Es war einmal…“, sondern mit einem kaiserlichen Erlass, einer Anordnung zur allgemeinen Volkszählung, politischen Entscheidungen, die das Leben der Menschen betreffen.

Dieser Erlass, motiviert von menschlichen und fiskalischen Interessen, wird zum Werkzeug der göttlichen Vorsehung. Wegen ihm gehen Josef und Maria nach Bethlehem in Judäa, und dort erfüllt sich die David gegebene Verheißung. Gott ist nicht von menschlichen Absichten abhängig, sondern bedient sich ihrer, um seine Pläne zu verwirklichen. Weihnachten lehrt uns, Gott zu vertrauen, auch wenn wir die Ereignisse nicht verstehen, denn Er führt die Geschichte weiterhin.

  1. Josef, Sohn Davids
    Der heilige Josef, der Bräutigam Marias, tritt im Evangelium zurückhaltend auf, doch seine Gegenwart ist entscheidend. Er wird als Nachkomme, als Sohn Davids, vorgestellt, Träger der königlichen Verheißung an Israel. Obwohl er keine Macht ausübt, bewahrt sich in ihm die davidische Linie, durch die der Messias in die Geschichte der Menschen eintritt.

Josef offenbart ein Königtum, geprägt von Demut und Gehorsam. Er steht auf, macht sich auf den Weg, führt Maria, schützt das Kind und nimmt die Wege Gottes an, ohne sie vollständig zu verstehen. Zu Weihnachten lehrt uns Josef, dass wahre Größe nicht darin besteht, hervorgehobene Positionen einzunehmen, sondern die empfangene Sendung treu zu übernehmen.

  1. Maria, die jungfräuliche Mutter
    Eine weitere unverzichtbare Gestalt ist Maria, die ihren erstgeborenen Sohn zur Welt bringt, ihn in Windeln wickelt und in die Krippe legt. Jede Handlung ist schlicht, aber zutiefst sinngetragen. Sie behält das Kind nicht nur für sich, sondern stellt es der Welt vor. Das Zeichen, das die Hirten empfangen werden, geht durch Marias stillen Gehorsam gegenüber den Eingebungen Gottes.

Die Mutterschaft Marias offenbart vollkommene Fügsamkeit gegenüber dem göttlichen Wirken. Sie nimmt den vom Heiligen Geist in ihr gezeugten Sohn Gottes auf und bietet ihn der Menschheit weiterhin dar. Zu Weihnachten lehrt uns Maria, Christus in Einfachheit aufzunehmen und Ihn in die Mitte unseres Lebens zu stellen, auch wenn dies Loslösung verlangt.

  1. Es war kein Platz für sie in der Herberge
    Das Evangelium sagt schlicht, dass für sie kein Platz in der Herberge war. Jesus wird draußen geboren, nach der Überlieferung in einer Grotte, am Rand der Stadt. Dieses Detail zeigt etwas Wesentliches über die Weise, wie Gott in die Welt kommt: Er nimmt in Kauf, keinen vorbereiteten Raum vorzufinden.

Das stellt unser Leben unmittelbar in Frage. Weihnachten fragt, ob es Platz für Christus in unseren Häusern und in unseren Herzen gibt. Auch wenn das Herz arm, ungeordnet oder verwundet erscheint, weicht der Herr nicht zurück. Er wird in der Krippe geboren. Es liegt an uns, Raum zu schaffen und Ihn in uns wohnen zu lassen.

  1. Die Hirten und die Engel
    Die ersten Empfänger der Verkündigung sind die Hirten, einfache und arme Menschen, jedoch wach und aufmerksam. Sie hielten Wache bei ihrer Herde, als die Herrlichkeit des Herrn sie mit Licht umstrahlte. Die Frohe Botschaft wird nicht den Mächtigen verkündet, sondern denen, die wachsam und verfügbar bleiben.

Die Engel singen die Herrlichkeit Gottes und verkünden den Frieden den Menschen, die Er liebt. Dieser Friede ist nicht der politische Friede des Imperiums, sondern der Friede, der aus der Versöhnung mit Gott entsteht. Weihnachten ruft uns auf, die Haltung der Hirten anzunehmen: Wachsamkeit, Bereitschaft und Demut, um den aufzunehmen, der der Gute Hirte ist.

  1. Das Neugeborene: Retter, Christus, der Herr
    Der Mittelpunkt von Weihnachten ist das Jesuskind. Ein verletzliches Neugeborenes, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegend. Dennoch verkünden die Engel Ihn mit Titeln, die Gott zukommen: Retter, Christus und Herr. Von Geburt an wird Jesus als der ausgerufen, der rettet, der erwartete Messias und der Herr der Geschichte.

Gott offenbart sich in äußerster Verwundbarkeit. Das Zeichen, an dem man Ihn findet, ist nicht äußere Herrlichkeit, sondern die Armut eines schutzlosen Kindes. Weihnachten lehrt uns, dass sich Gottes Kraft in der Demut zeigt und dass der Weg des Heils durch die Kleinheit führt.

  1. Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen, die Er liebt
    Der Gesang der Engel fasst den Sinn von Weihnachten zusammen. Die Ehre gehört Gott, und der Friede wird den Menschen geschenkt, die sich von dieser Liebe erreichen lassen. Dieser Friede ist nicht das Ergebnis menschlicher Anstrengung, sondern eine Gabe, die aus der Gegenwart Christi hervorgeht.

„Die von Gott Geliebten“ sind jene, die danach streben, sich Jesus, dem geliebten Sohn, gleichzugestalten. Weihnachten ruft uns auf, diese Kindschaft neu zu leben, indem wir den Sohn aufnehmen, der uns zu Söhnen und Töchtern macht. Wo Christus aufgenommen wird, wird Frieden möglich.

Praktische Schlussfolgerung
Weihnachten lädt uns ein, die Weise des Handelns Gottes anzunehmen. Er kommt in Einfachheit, bittet um Raum im Herzen und lässt sich von denen finden, die wachen und warten. Weihnachten zu feiern heißt, Christus heute in uns geboren werden zu lassen, unser Leben zu verwandeln und uns zu senden, Ihn zu verkünden.

An diesem Tag wollen wir das Kind nicht nur für uns behalten, sondern es durch konkrete Gesten des Glaubens, der Nächstenliebe und der Hoffnung teilen.

Schritte der Lectio Divina
Lesung (lectio): Lies Lukas 2,1–14 langsam, wenn möglich halblaut. Achte auf die Personen, die Orte und die schlichten Gesten des Berichts.
Meditation (meditatio): Wo nehme ich das Wirken der göttlichen Vorsehung in meiner Geschichte wahr? Gibt es heute Platz für Christus in meinem Leben?
Gebet (oratio): Bete: „Herr Jesus, der Du in Armut und Einfachheit geboren wurdest, komm und wohne in meinem Herzen.“
Betrachtung (contemplatio): Verweile in Stille vor dem Jesuskind in der Krippe. Betrachte das Geheimnis des Gottes, der arm und klein geworden ist.
Handlung (actio): Setze an diesem Weihnachten eine konkrete Geste der Aufnahme, des Teilens oder der Versöhnung, als Zeichen dafür, dass Jesus in dir geboren ist.

Shalom!
Bis Sonntag!

 


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