Evangelium des Tages

Kommentar zur Liturgie des 28. Sonntages im Jahreskreis

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„Eines fehlt dir noch: Geh, verkaufe, was du hast, gib es den Armen und du wirst einen Schatz im Himmel haben;“

In der Liturgie dieses Sonntags geht es um das Thema der göttlichen Weisheit, die ein Geschenk des Himmels ist, und der menschlichen Schwäche. So sehr diese beiden Realitäten auch gegensätzlich erscheinen mögen, so sind sie es in Wirklichkeit nicht. Wenn der Mensch dem göttlichen Ruf folgt und nach seinem Willen lebt, wird die menschliche Schwachheit – die weiterhin bestehen wird – von der göttlichen Weisheit in Besitz genommen und umgewandelt; der heilige Paulus machte diese Erfahrung und konnte behaupten: „Diesen Schatz tragen wir in zerbrechlichen Gefäßen; so wird deutlich, dass das Übermaß der Kraft von Gott und nicht von uns kommt.“ (2Kor 4,7).

Der Kontext der ersten Lesung ist in Alexandria (Ägypten) angesiedelt, in einem stark hellenisierten Umfeld, das andere Kulturen verachtete und die Juden vor allem während der Herrschaft von Ptolemäus Alexander (106-88 v. Chr.) und Ptolemäus Dionysius (80-52 v. Chr.) schwer verfolgte. In diesem Umfeld beschließt der Autor des Buches der Weisheit, die Werte des Glaubens und der Kultur seines Volkes zu verteidigen. Er verfolgt damit ein zweifaches Ziel: Er wendet sich an seine jüdischen Landsleute (die vom Heidentum, Götzendienst und der Sittenlosigkeit durchdrungen sind) und fordert sie auf, den Glauben ihrer Väter und die jüdischen Werte wiederzuentdecken; er wendet sich an die Heiden und fordert sie auf, die Torheit des Götzendienstes anzuerkennen und sich an den Herrn, den einzigen wahren Gott, zu halten. Beiden möchte der Autor diese grundlegende Lehre hinterlassen: Allein der Herr, der Gott Israels, garantiert wahre „Weisheit“ und wahres Glück.

„Diese Weisheit gehört nicht zur menschlichen Natur und ist auch nicht das Eigentum von Königen oder Herrschern“

Dem Text der Liturgie des heutigen Sonntags geht ein Bekenntnis des Königs über seine eigene Schwäche voraus. Auf das Bekenntnis zur Kleinheit und Zerbrechlichkeit Salomos (Weish 7,1-6) folgt das Lob der Weisheit selbst, die alles übertrifft, was unter den Menschen am meisten geschätzt wird: Macht, Reichtum, Gesundheit und Schönheit. Diese Weisheit gehört nicht zur menschlichen Natur und ist auch nicht das Eigentum von Königen oder Herrschern; deshalb muss Salomo um sie betteln, um sie zu erhalten. Dieser Abschnitt bezieht sich auf Salomos Traum im Heiligtum von Gabaon, wie er in 1 Kön 3,4-6 oder 2 Chron 1,6-12 erzählt wird1.

Der Text beginnt mit den Worten: „7Daher betete ich und es wurde mir Klugheit gegeben; ich flehte und der Geist der Weisheit kam zu mir.“ (Weish 7,7). Die Passivform, in der der erste Satz konstruiert ist, bezeichnet gut die theologische Konzeption des Autors: Die göttliche Gabe der Weisheit kann nur durch das Gebet erlangt werden (vgl. 8,21; 9,10); diese Interpretation wird durch den folgenden Satz bestätigt, der besagt, dass die Weisheit „zu mir kam“. Im Buch der Weisheit wird der „Geist der Weisheit“ (9,17) mit dem Geist des Herrn in Beziehung gesetzt: Es besteht ein innerer Zusammenhang zwischen dem heiligen Erziehergeist (1,5), dem Geist der Weisheit (1,6) und dem Geist des Herrn (1,7). So stellt der Autor weiter klar, dass der Geist der Weisheit (7,22-23) oder einfach die Weisheit (7,24-8,1) zum rein göttlichen Bereich gehört2.

In den Versen 8-9 beginnt Salomo, seine Vorliebe für die Weisheit zum Ausdruck zu bringen: „Ich zog sie Zeptern und Thronen vor, / Reichtum achtete ich für nichts im Vergleich mit ihr. 9 Einen unschätzbaren Edelstein stellte ich ihr nicht gleich; / denn alles Gold erscheint neben ihr wie ein wenig Sand / und Silber gilt ihr gegenüber so viel wie Lehm.“. Das lyrische Vokabular ist sehr einfach, aber mit sorgfältig ausgewählten Verben und Vergleichen ausgedrückt; zunächst vergleicht der Autor die Weisheit mit äußeren Gütern: königliche Symbole (V. 8a) und Reichtum (V. 8b) in seiner höchsten Ausprägung: Edelsteine, Gold und Silber (V. 9): alles, was unter den Menschen so hoch geschätzt wird, ist für Salomo nichts (V. 8b); es ist wie ein wenig Sand (V. 9b) und Lehm (V. 9c)3.

„Die Weisheit wird mit intimen und persönlichen Gütern wie Gesundheit und Schönheit vergliche“

10a heißt es: „Mehr als Gesundheit und Schönheit liebte ich sie / und zog ihren Besitz dem Lichte vor; / denn niemals erlischt der Glanz, der von ihr ausstrahlt.“. Die Weisheit wird mit intimen und persönlichen Gütern wie Gesundheit und Schönheit verglichen; wir können sagen, dass der Autor hier eine typisch griechische Sensibilität widerspiegelt: für die Lebenskräfte (Gesundheit) und die äußeren Formen (Schönheit). Dem Israeliten sind solche Werte nicht fremd, da beispielsweise die Gesundheit zum Begriff des Lebens gehört (vgl. Spr 4,22; Sir 1,18; 30,14-16). Der Autor setzt die Weisheit jedoch nicht mit diesen Werten gleich, sondern stellt klar, dass sie alle teuersten Güter übertrifft, die man in einer Kultur haben kann. Der Vergleich beschränkt sich nicht nur auf kulturelle Aspekte, sondern auch auf kosmologische Aspekte, wie z. B. das Licht. Der Vergleich dient dazu, die Überlegenheit und den Wert der Weisheit zu demonstrieren, denn „Sie ist schöner als die Sonne / und übertrifft jedes Sternbild. / Sie erweist sich strahlender als das Licht; 30 denn diesem folgt die Nacht, / doch über die Weisheit siegt keine Schlechtigkeit.“ (Weish 7,29-30).

V.11 bringt noch eine weitere Neuigkeit in Bezug auf die Weisheit: „Zugleich mit ihr kam alles Gute zu mir, / unzählbare Reichtümer waren in ihren Händen.“. Sie übertrifft alle Güter, denn sie ist die Quelle des Guten selbst. Diese Wahrheit wird auch in dem folgenden Vers bestätigt, der in unserer Liturgie nicht vorkommt: “ Ich freute mich über sie alle, / weil die Weisheit lehrt, sie richtig zu gebrauchen, / wusste aber nicht, dass sie auch deren Ursprung ist.“ (Weish 7,12). Die Weisheit ist nicht nur die Quelle aller Güter, sondern auch die Voraussetzung, um sie zu genießen (Sanches, 282) 7,7-12.

„Die erste Weisheit, die der Psalm zum Ausdruck bringt, besteht darin, sich auf besondere Weise an Gott zu wenden und seine Liebe zu erflehen“

In dem Psalm singen wir den Refrain: „Sättige uns am Morgen mit deiner Huld! Dann wollen wir jubeln und uns freuen all unsre Tage.“ (Ps 90,14). Die V. 12-17, die in der Liturgie dieses Sonntags vorkommen, bilden eine Einheit des Bittgebets innerhalb des Psalms. Die erste Weisheit, die der Psalm zum Ausdruck bringt, besteht darin, sich auf besondere Weise an Gott zu wenden und seine Liebe zu erflehen. Psalm 90 enthält jedoch auch andere weise Elemente. In Vers 12 wird es heißen: “ Unsere Tage zu zählen, lehre uns! Dann gewinnen wir ein weises Herz.“. Die „Zählung der Tage“ steht im Zusammenhang mit dem Bewusstsein der Kürze des Lebens. Dieses Thema wird in diesem Psalm in den Versen 3-6 behandelt: „Zum Staub zurückkehren lässt du den Menschen, du sprichst: Ihr Menschenkinder, kehrt zurück! 4 Denn tausend Jahre sind in deinen Augen wie der Tag, der gestern vergangen ist, wie eine Wache in der Nacht. 5 Du raffst sie dahin, sie werden wie Schlafende. Sie gleichen dem Gras, das am Morgen wächst: 6 Am Morgen blüht es auf und wächst empor, am Abend wird es welk und verdorrt.“. Das Wortschatz dieser Verse betont den unaufhaltsamen Lauf der Zeit und die Vergänglichkeit des Menschen: zurück zum Staub (V. 3), Jahre (V. 4), gestern (V. 4), nachts aufwachen (V. 4), Morgen (V. 5.6), Nacht (V. 6)4. Die Anerkennung der eigenen Zerbrechlichkeit ist ein grundlegender Schritt auf dem Weg zu einem Leben nach der göttlichen Weisheit. Die Weisheit besteht nicht so sehr darin, die Bedrückung durch ein kurzes Leben zu akzeptieren, sondern vielmehr darin, es als Geschenk zu erkennen5.

v. 13 bittet um die Rückkehr des Herrn: „Kehre doch um, HERR! – Wie lange noch? Um deiner Knechte willen lass es dich reuen!“. Bei dieser Bitte geht es nicht so sehr um eine geografische Rückkehr, sondern vielmehr um die Rückkehr der göttlichen Gunst gegenüber der Gemeinschaft, die ihr Übel anerkennt, wie es in V. 15 heißt: „Erfreue uns so viele Tage, wie du uns gebeugt hast, so viele Jahre, wie wir Unheil sahn.“. Das Leben in Schande ist ein Leben in Traurigkeit, fern vom Herrn. Das Gegenteil dieses Zustands ist das, was die Gemeinde in V. 14 erbittet: „Sättige uns am Morgen mit deiner Huld! Dann wollen wir jubeln und uns freuen all unsre Tage.“. Die göttliche Liebe, seine Gunst, bringt die Frucht der Freude für die ganze Gemeinschaft hervor.

In den V. 16-17 schließlich wird uns eine weitere Frucht als Ergebnis der göttlichen Gunst präsentiert: „Dein Wirken werde sichtbar an deinen Knechten und deine Pracht an ihren Kindern. 17 Güte und Schönheit des Herrn, unseres Gottes, sei über uns!“ Durch die göttliche Gunst ist es möglich, dass Israels Arbeit, seine Mühe, trotz des Übergangs des Lebens bleibende Früchte trägt (V. 17). Israel verdankt der göttlichen Gunst nicht nur geistige Güter, sondern auch materielle Güter. Alles in Israel gehört Gott, und von ihm kommen die Freude, der Besitz und das Leben.

„Die Gläubigen werden aufgefordert, an Jesus zu „glauben“, d. h. aufmerksam auf die Botschaften zu hören, die Christus gebracht hat, sie im Glauben anzunehmen und sie in konkrete Handlungen des Lebens umzusetzen.“

Die zweite Lesung ist dem Hebräerbrief entnommen. Der uns vorgeschlagene Text aus Hebräer 4,12-13 ist im zweiten Teil des Briefes enthalten (vgl. Hebr 3,1-5,10), in dem der Autor Jesus als den treuen und barmherzigen Priester vorstellt, den der Vater in die Welt gesandt hat, um die Herzen der Menschen zu verändern und sie Gott näher zu bringen. Die Gläubigen werden aufgefordert, an Jesus zu „glauben“, d. h. aufmerksam auf die Botschaften zu hören, die Christus gebracht hat, sie im Glauben anzunehmen und sie in konkrete Handlungen des Lebens umzusetzen.

Hebr 4,12-13 ist eine Art Hymne auf das Wort Gottes: „Denn lebendig ist das Wort Gottes, wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert; es dringt durch bis zur Scheidung von Seele und Geist, von Gelenken und Mark; es richtet über die Regungen und Gedanken des Herzens; 13 vor ihm bleibt kein Geschöpf verborgen, sondern alles liegt nackt und bloß vor den Augen dessen, dem wir Rechenschaft schulden.“ (Hebr 4,12-13). Es besteht eine tiefe Beziehung zwischen dem Wort Gottes und der Weisheit, und in der alttestamentlichen Literatur werden viele Attribute des göttlichen Wortes auch auf die Weisheit angewandt.

Das heutige Evangelium, das in zwei Teile gegliedert ist, wird die gesamte Lehre dieser Liturgie zusammenfassen und verdeutlichen, dass in Christus die wahre Weisheit zu finden ist. Die Dynamik des ersten Teils lässt sich wie folgt zusammenfassen: Die Erzählung wird durch die anfängliche Bewegung des Laufens auf Jesus hin belebt, im Gegensatz zur letzten Bewegung des Verlassens; die erste Bewegung impliziert die Freude des Suchens, die zweite die Traurigkeit des Verlassens6, genau wie das Thema des Psalms. Der zweite Teil, der sich auf die Erfahrung mit dem reichen Mann stützt, ist eine Aufforderung an jeden Einzelnen, das Gebet Salomos, das in der ersten Lesung enthalten ist, in seinem eigenen Leben zu verwirklichen.

„Warum nennst du mich gut? Niemand ist gut außer der eine Gott.“

Im Text heißt es: „Als sich Jesus wieder auf den Weg machte, lief ein Mann auf ihn zu, fiel vor ihm auf die Knie und fragte ihn: Guter Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu erben? 18 Jesus antwortete: Warum nennst du mich gut? Niemand ist gut außer der eine Gott.“ (Mk 10,17-18). Dieser „Mann“ läuft auf Jesus zu und kniet nieder, um seine Wertschätzung für den Meister aus Nazareth zu zeigen. Jesus scheint sich jedoch zu weigern, als „gut“ bezeichnet zu werden; er tut dies sicher nicht, um seine eigene Güte zu leugnen, sondern um seinen Blick auf seine einzige wahre Quelle zu richten: den Vater7. Dann lenkt Jesus unsere Aufmerksamkeit weiter auf Gott, der seinen Willen im Dekalog zum Ausdruck gebracht hat: “ Du kennst doch die Gebote: Du sollst nicht töten, du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht falsch aussagen, du sollst keinen Raub begehen; ehre deinen Vater und deine Mutter!“ (Mk 10,19). Auf diese Weise zitiert Jesus den Bund vom Sinai und schließt sich der besten biblischen Tradition an, deren Authentizität er bejaht und deren Kontinuität er bestätigt. Es handelt sich immer um die Gebote der zweiten Tafel, d. h. derjenigen, die die Pflichten gegenüber dem Nächsten enthält8.

„Indem Jesus vorschlägt, ihm nach der Erfüllung der Gebote in Bezug auf die zwischenmenschlichen Beziehungen zu folgen, stellt er sich selbst als Erfüller aller Gebote dar“

Mit den Worten Jesu konfrontiert, antwortet der Mann: „Meister, alle diese Gebote habe ich von Jugend an befolgt“. Dieser Mann hat die Gebote der zweiten Tafel gut gehalten und zeigt, dass er ein aufrichtiges Herz vor Gott hat. Dann schlägt Jesus das größte Gebot vor, die absolute Liebe zu Gott, die in der ersten Tafel enthalten ist: „Da sah ihn Jesus an, gewann ihn lieb und sagte: Eines fehlt dir noch: Geh, verkaufe, was du hast, gib es den Armen und du wirst einen Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach!  Der Mann aber war betrübt, als er das hörte, und ging traurig weg; denn er hatte ein großes Vermögen“. Angesichts einer solch anspruchsvollen Berufung wird sein ganzes religiöses Selbstverständnis schwach. Indem Jesus vorschlägt, ihm nach der Erfüllung der Gebote in Bezug auf die zwischenmenschlichen Beziehungen zu folgen, stellt er sich selbst als Erfüller aller Gebote dar; er ist Gott und fordert den Menschen auf, sein Leben hinzugeben, indem er ihm folgt. Ein Detail, das nur im Markusevangelium vorkommt, macht den Unterschied in der Erzählung aus: „Da sah ihn Jesus an, gewann ihn lieb“. Dieser Gott, der alles verlangt, ist der Gott, der sich dem Menschen ganz hingibt, der ihn liebt, um ihn fähig zu machen, zu lieben; das ist die eigentliche Forderung des ersten Gebots: Gott über alles zu lieben. Dies ist die eigentliche Forderung des ersten Gebots: Gott über alles zu lieben. Aber die Liebe zum Reichtum ist ein Hindernis für eine solche Berufung.

„Aber die Liebe zum Reichtum ist ein Hindernis für eine solche Berufung“

So kommen wir zum zweiten Teil des Textes: „Da sah Jesus seine Jünger an und sagte zu ihnen: Wie schwer ist es für Menschen, die viel besitzen, in das Reich Gottes zu kommen! 24 Die Jünger waren über seine Worte bestürzt. Jesus aber sagte noch einmal zu ihnen: Meine Kinder, wie schwer ist es, in das Reich Gottes zu kommen! 25 Leichter geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt. 26 Sie aber gerieten über alle Maßen außer sich vor Schrecken und sagten zueinander: Wer kann dann noch gerettet werden? 27 Jesus sah sie an und sagte: Für Menschen ist das unmöglich, aber nicht für Gott; denn für Gott ist alles möglich.'“ (Mk 10,23-27).

Die Lebenserfahrung dieses Mannes, der über seine Anhänglichkeit an den Reichtum traurig ist, dient Jesus für einige wichtigere Lehren auf dem Weg zu seinem Kreuz. Die Worte Jesu sind hart, und der Satz wird zweimal wiederholt: „Wie schwer ist es für die Reichen, in das Reich Gottes zu kommen“, gefolgt von einem Bild, wie es in der semitischen Welt üblich ist: „Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr geht, als dass ein Reicher in das Reich Gottes kommt! Dies ist eine Übertreibung, d. h. eine absichtliche Übertreibung, um die Botschaft zu vermitteln9. Einige Autoren haben Interpretationen vorgeschlagen, um das Bild logischer zu machen: Das griechische Wort kamelos „Kamel“ wurde in kamilos, ein „Schiffstau“, umgewandelt; dies würde den Vergleich akzeptabler machen. Andere Autoren haben die Existenz einer kleinen Tür in den Mauern Jerusalems behauptet, die „Nadelöhr“ genannt wurde und durch die Kamele kaum hindurchkamen. Die Existenz einer solchen Tür ist nie dokumentiert worden. Dies sind falsche und vergebliche Versuche, die die orientalische Sprache nicht berücksichtigen, die gerne Ausdrücke verwendet, um die Übertreibung zu betonen. Die Bedeutung des Bildes ist die einer totalen Unmöglichkeit10.

„Die Botschaft ist klar: Der Mensch kann nur hoffen, wenn er auf göttliches Eingreifen vertraut.“

Einmal mehr führt Jesus den Dialog zurück zum Ursprung allen Guten, zu Gott: “ Für Menschen ist das unmöglich, aber nicht für Gott; denn für Gott ist alles möglich.“. Der Satz stammt aus Gen 18,14, aus der Geschichte von Sara und Abraham, in der die einzige Möglichkeit darin bestand, sich an denjenigen zu wenden, der auch in menschlich verzweifelten und ausweglosen Situationen eine Lösung zu finden weiß11. Die Botschaft ist klar: Der Mensch kann nur hoffen, wenn er auf göttliches Eingreifen vertraut.

Auf Jesu Worte hin „begann Petrus zu ihm zu sagen: ‚Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt.'“. (Mk 10,28). Jesus erklärt: „Amen, ich sage euch: Jeder, der um meinetwillen und um des Evangeliums willen Haus oder Brüder, Schwestern, Mutter, Vater, Kinder oder Äcker verlassen hat, 30 wird das Hundertfache dafür empfangen. Jetzt in dieser Zeit wird er Häuser und Brüder, Schwestern und Mütter, Kinder und Äcker erhalten, wenn auch unter Verfolgungen, und in der kommenden Welt das ewige Leben.“ (Mk 10,29-30). Die Antwort Jesu überrascht einmal mehr mit seiner eindeutigen Verheißung in zwei Teilen: eine Belohnung für die Zukunft und endgültig, die andere sofort und vorläufig. Das erste ist das „ewige Leben“, das der reiche Mann, Sklave seines Reichtums, sucht und gleichzeitig ablehnt. Die zweite Belohnung, die wir schon jetzt genießen können, ist die Lebensgemeinschaft mit so vielen Brüdern und Schwestern, die das gleiche Leben wie Christus teilen und eine wahre Familie bilden12. Jesus schließt seine Lehre ab, indem er noch einmal an die Kleinheit erinnert, die notwendig ist, um die Neuheit des Reiches Gottes zu empfangen. Es ist notwendig, unseren Zustand der Geringsten zu erkennen, derjenigen, die es aus eigener Kraft nicht können, und so den Einen zu erkennen, der alles tun kann. Er, vor dem alle Reichtümer dieser Welt wie nichts sind.

Die ersten Christen sahen in der Weisheit des Alten Testaments die Vorhersage von Christus. In der Ikonographie wird die „Heilige Sophia“ als Frau dargestellt und unter ihr befinden sich drei weitere Frauen: Glaube, Hoffnung und Nächstenliebe (im Griechischen sind die vier Begriffe weiblich). Was sind diese drei Tugenden? Es sind die theologischen Tugenden, die uns durch die Taufe gegeben werden. Die heilige Sophia bezieht sich also auf die göttliche Gnade, die die eigentliche Teilnahme am Leben Christi ist, zu der alle berufen sind. Es geht darum, in Christus die wahre Weisheit zu erkennen, die uns ein neues, ganzheitliches und erhabenes Leben schenkt. Das ist das Leben, das die Jünger empfangen haben und das ihnen hundertmal mehr gibt, als sie menschlich besitzen können. Möge der Herr in uns die Liebe zu ihm erneuern und uns immer tiefer auf den Weg der wahren Weisheit führen.

[1] Cf. J. Vilchez Lindez, Sapienza, Borla, Roma 1990, 282.

[2] Cf. J. Vilchez Lindez, Sapienza, Borla, Roma 1990, 283.

[3] Cf. J. Vilchez Lindez, Sapienza, Borla, Roma 1990, 284.

[4] Cf. T. Lorenzin, I Salmi, Paoline, Milano 2000, 359.

[5] Cf. T. Lorenzin, I Salmi, Paoline, Milano 2000, 360.

[6] Cf. M. Orsatti, Servitori della Parola: Commento alle letture festive dell’anno B, Queriniana, Brescia 2011, 283.

[7] Cf. Ibid.

[8] Cf. Ibid.

[9] Cf. Ibid. 284.

[10] Cf. Ibid.

[11] Cf. Ibid. 285.

[12] Cf. Ibid. 284.

Elton Alves, Missionar der Lebensgemeinschaft der Kath. Gemeinschaft Shalom, Verheiratet, Theologe und promovierender in der Theologischen Fakultät in Lugano, Schweiz


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