Am fünften Sonntag der Fastenzeit stellt uns die Liturgie das letzte und größte Zeichen Jesu im vierten Evangelium vor: die Auferweckung des Lazarus (Joh 11,1–45). Diese Episode bildet den Höhepunkt der Offenbarung Jesu als Herrn des Lebens und bereitet unser Herz auf das Geheimnis Seines Pascha, Seiner Passion, Seines Todes und Seiner Auferstehung vor. In Betanien begegnen sich Freundschaft, Klage und Glaube mit der Macht Gottes, der alles wiederherstellt.
Um Ihnen zu helfen, mit diesem Evangelium zu beten, stellen wir unten fünf Punkte vor, die wir im Podcast betrachtet haben und den Sie ansehen können, um Ihre Betrachtung zu vertiefen. Achten Sie auf die Eigenschaften jeder Person oder Personengruppe (der Juden), die wir im Podcast kommentiert haben und die Ihnen weitere Punkte (Rhemas) für Ihr Gebet geben können.
- Lazarus: Der Kranke, der Geliebte, der „Schlaf“ des Todes und der Auferweckte
Lazarus repräsentiert jeden von uns in unserer Zerbrechlichkeit, in unseren Krankheiten und in unserer Heilsbedürftigkeit. Er ist der geliebte Freund, um den Jesus weint, aber auch derjenige, der die Endlichkeit und die „Verwesung“ des Grabes erfährt. Als Jesus am vierten Tag ankommt, betont der Text, dass „er schon riecht“ (Joh 11,39) und symbolisiert damit den Zustand der Sünde und der Trostlosigkeit, der in menschlichen Augen unumkehrbar erscheint. Lazarus erinnert uns daran, dass selbst dann, wenn die Hoffnung zu „schlafen“ oder zu sterben scheint, die Liebe des Meisters aktiv bleibt. Jesus ist Herr der Zeit und des Lebens.
- Maria: Der Schmerz zu den Füßen des Herrn
Maria von Betanien verkörpert die Seele, die sich mit ihren Schmerzen zu den Füßen des Herrn wirft. Ihr aufrichtiges und tiefes Weinen bewegt Jesus und zieht Sein Erbarmen an. Als sie sich vor Jesus niederwirft und zu Ihm sagt: „Herr, wärst Du hier gewesen, mein Bruder wäre nicht gestorben“ (Joh 11,32), bringt sie den Schmerz des Verlustes zum Ausdruck, vereint mit dem Vertrauen in die Gegenwart Christi. Die Begegnung Jesu mit Maria lehrt uns, dass unser Schmerz Gott nicht gleichgültig ist. Er teilt unsere Tränen, um sie in Samen neuen Lebens zu verwandeln.
- Marta: „Der Meister ist da und ruft dich“
Marta erweist sich als eine Frau mit reifem und entschlossenem Glauben. Sie geht Jesus entgegen, noch bevor Er in die Stadt kommt, und bekennt ihren Glauben an die Auferstehung. Ihr kommt die Aufgabe zu, ihrer Schwester die zentrale Botschaft zu bringen: „Der Meister ist da und ruft dich“ (Joh 11,28). Dieser Ruf erklingt heute für uns: Jesus ist in unseren „Betanien“ gegenwärtig und lädt uns ein, aus Lähmung und Mutlosigkeit herauszutreten in ein Leben, das auf Seiner Gegenwart gründet. Obwohl sie zuvor die göttliche Sohnschaft Jesu bekannt hatte, stellt sie Ihn in Frage, als Er befiehlt, den Stein vom Grab zu entfernen: „Herr, er riecht schon. Er ist seit vier Tagen tot“ (Joh 11,39). Und dann erinnert Jesus sie an das kostbare Geschenk des Glaubens: „Habe ich dir nicht gesagt: Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen?“ (Joh 11,40).
- Die Juden: Zeugen, Glaubende und Unglaubende
Die Gruppe der Juden repräsentiert die Gemeinschaft, die das Wirken Gottes beobachtet und darauf reagiert. Sie sind Zeugen des Weinens Jesu und Seiner Liebe zu Lazarus sowie des Wunders, das darauf folgt. Ihre Reaktion ist geteilt: Viele kommen zum Glauben, als sie das große Zeichen sehen, während andere sich im Unglauben verschließen. Sie erinnern uns daran, dass die Zeichen Gottes von uns eine Entscheidung und eine Offenheit des Herzens verlangen, um den Glauben und die Wahrheit anzunehmen, die frei macht.
- Jesus: Gebet, Autorität und Befreiung
Jesus offenbart Seine Menschheit, indem Er weint, und Seine Göttlichkeit, indem Er handelt. Vor dem Wunder erhebt Er ein Dankgebet zum Vater und lehrt uns, dass das christliche Leben kindliche Gemeinschaft ist. Mit Autorität gibt Er die Befehle, die das Leben wiederherstellen: „Nehmt den Stein weg“, „Lazarus, komm heraus!“ und „Löst ihn.“ Jesus offenbart Sich als die Auferstehung selbst. Sein Werk geht über das zurückgegebene Leben hinaus und reicht bis zur völligen Befreiung von allem, was uns am Gehen hindert.
Schritte der Lectio Divina
- Lesung (lectio): Lesen Sie Johannes 11,1–45 langsam. Achten Sie auf die Gefühle und Haltungen jeder Person und auf die Entwicklung des Dialogs bis zum Augenblick des Wunders.
- Meditation (meditatio): In welchem Bereich meines Lebens fühle ich mich wie Lazarus, gebunden durch Binden der Sünde oder der Mutlosigkeit? Bin ich mir bewusst, dass Jesus mich beim Namen ruft, um aus jeder Art von Grab herauszutreten? Wie antworte ich heute auf die Einladung: „Der Meister ist da und ruft dich“? Glaube ich an den Herrn des Lebens oder habe ich mich in meinen Zweifeln verschlossen?
- Gebet (oratio): Beten Sie zum Beispiel so: „Herr Jesus, Leben meines Lebens, komm meinen Krankheiten und meinem Sterben entgegen. Rufe meinen Namen und gib mir die Kraft, aus der Finsternis des Egoismus herauszutreten. Vater der Liebe und Güte, ich danke Dir, weil Du mich immer erhörst; mehre meinen Glauben an den Sieg Christi über alles Böse. Tröstender Geist, belebe mich in meinen Traurigkeiten und Schmerzen…“ (setzen Sie Ihr Gebet fort, wie der Geist es Ihnen eingibt).
- Kontemplation (contemplatio): Beten Sie Christus an, den Sieger über den Tod und Spender des Lebens. Betrachten Sie Jesus vor dem Grab, wie Er mit Autorität handelt, den Toten zum Leben bringt und uns für das ewige Leben öffnet. Spüren Sie die Freiheit, von Seinen barmherzigen Händen „gelöst“ zu werden.
- Handlung (actio): Erkennen Sie in dieser Woche eine „Binde“ oder ein „Grab“ (eine Gewohnheit, einen Groll oder eine Angst) und setzen Sie einen konkreten Schritt der Veränderung, indem Sie auf den Ruf Jesu antworten, in der Freiheit der Kinder Gottes zu leben.