Evangelium des Tages

Kommentar zur Liturgie des 14. Sonntages im Jahreskreis

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„Ich erhebe meine Augen zu dir, der du thronst im Himmel“ (Ps 123,1).

Wir finden in den Lesungen dieses Sonntages ein gemeinsames Thema, nämlich die göttliche Art zu handeln: Gott wählt es, seine Macht durch menschliche Schwäche zu manifestieren. Diese göttliche Entscheidung empört den Menschen in seinem Stolz und lädt ihn ein, vom Podest seiner Existenz herabzusteigen und so die göttliche Gegenwart und seine Weisheit zu erkennen, die die menschlichen Erwartungen übersteigt.

„Gott wählt es, seine Macht durch menschliche Schwäche zu manifestieren“

Die erste Lesung präsentiert uns einen Auszug aus dem Bericht über die Berufung des Ezechiel, der beim Anblick der Theophanie „wie die Herrlichkeit des Herrn“ (Ez 1,28c) auf sein Angesicht fällt und die Stimme von jemandem hört, der zu ihm spricht (vgl. Ez 1,28). Ezechiel verneigt sich vor der göttlichen Heiligkeit und kann so die Stimme des Herrn hören. Das Niederbeugen Ezechiels entspricht dem göttlichen Handeln, das bewirkt, dass sein Geist den Propheten durchdringt und ihn auf die Füße stellt (vgl. Ez 2,2). Der Inhalt der göttlichen Stimme schildert die Herzenshärte des Volkes Israel, das nicht auf den Herrn hört und seine Boten abweist. Der Herr sagt: “ Menschensohn, ich sende dich zu den Söhnen Israels, zu abtrünnigen Völkern, die von mir abtrünnig wurden. Sie und ihre Väter sind von mir abgefallen, bis zum heutigen Tag. Es sind Söhne mit trotzigem Gesicht und hartem Herzen. Zu ihnen sende ich dich. Du sollst zu ihnen sagen: So spricht GOTT, der Herr. Sie aber: Mögen sie hören oder es lassen – denn sie sind ein Haus der Widerspenstigkeit – , sie werden erkennen müssen, dass mitten unter ihnen ein Prophet war.“ (Ez. 2,3-5). Neben der Herzenshärte geht es in der göttlichen Botschaft auch um die Tatsache, dass ein Prophet inmitten dieses Volkes war, d.h. Gott hat Israel nicht verlassen, sondern es war Israel, das sich gegen Gott auflehnte.

Psalm 123 legt der liturgischen Versammlung die richtige Haltung dessen auf die Lippen, der auf den Herrn hofft: „Unsere Augen sind erhoben zum HERRN, unserem Gott, bis er uns gnädig ist.“ (Ps 123,2b). Diese Hoffnung erzeugt, im Gegensatz zur Aufmüpfigkeit der ersten Lesung, Erbarmen bei Gott. Die erste Haltung eines Menschen, der auf Gott hofft, ist, die Augen zu erheben, d.h. zu erkennen, dass die Hilfe nicht von unten, sondern von oben kommt: „Ich erhebe meine Augen zu dir, der du thronst im Himmel“ (Ps 123,1). Dann werden uns zwei Bilder vor Augen geführt: „Siehe, wie die Augen der Knechte auf die Hand ihres Herrn, wie die Augen der Magd auf die Hand ihrer Herrin, so sind unsere Augen erhoben zum HERRN, unserem Gott, bis er uns gnädig ist.“ (Ps 123,2a). Der Gott Israels ist bereit, seinem Volk zu helfen, aber er braucht das Willkommen, das in Glauben umgesetzt wird. Dieses Bild spricht zweimal von der Hand, die das Organ ist, das die Aktion synthetisiert. Israel ist aufmerksam gegenüber dem göttlichen Handeln, anders als die Reaktion des Volkes in der ersten Lesung und im Evangelium. Diese Haltung ist grundlegend, um die göttliche Stimme und ihre in der Geschichte vorhandene Weisheit zu erkennen.

„Die erste Haltung eines Menschen, der auf Gott hofft, ist, die Augen zu erheben, d.h. zu erkennen, dass die Hilfe nicht von unten, sondern von oben kommt“

Die zweite Lesung, die dem zweiten Korintherbrief entnommen ist, steht im Kontext von Paulus‘ Verteidigung der Authentizität seines Apostelamtes, nicht durch ihn selbst, sondern durch Christus. Die Ankläger des Paulus geben sich als wahre Apostel Christi aus und lehren die Gemeinde eine andere Lehre als die von Paulus verkündete. Sie waren Judaisten, die behaupteten, dass es notwendig sei, bestimmte hebräische Gebote (wie die Beschneidung) zu halten, um Christus zu folgen. Das sorgte für Aufruhr in der Gemeinde und den Verdacht, dass Paulus ein authentisches Evangelium verkündete. Mit diesen Anschuldigungen konfrontiert, stellt Paulus die Kriterien für die Authentizität seines Apostolats vor. Zunächst seine göttliche Erwählung, sowohl als Jude als auch als Christ (vgl. 2Kor 11,21b-23); dann seine Leiden für das Evangelium (vgl. 2Kor 11,23b-33). Nach dieser schönen Biographie berichtet Paulus von einer mystischen Erfahrung (vgl. 2 Kor 12,1-4), wobei er sich selbst in die dritte Person setzt, als wolle er sagen, dass diese Erfahrungen ein Geschenk Gottes sind und nicht ihm gehören.

In diesem Zusammenhang finden sich die starken Aussagen des Paulus, der sagt: „Damit ich mich wegen der einzigartigen Offenbarungen nicht überhebe, wurde mir ein Stachel ins Fleisch gestoßen: ein Bote Satans, der mich mit Fäusten schlagen soll, damit ich mich nicht überhebe. Dreimal habe ich den Herrn angefleht, dass dieser Bote Satans von mir ablasse. Er aber antwortete mir: Meine Gnade genügt dir; denn die Kraft wird in der Schwachheit vollendet. Viel lieber also will ich mich meiner Schwachheit rühmen, damit die Kraft Christi auf mich herabkommt.“ (2. Kor 12,7-9). Während Paulus von sich selbst in der dritten Person sprach, als er seine mystische Erfahrung erzählte, spricht er hier wieder in der ersten Person, weil das Feld der Schwäche ihm gehört. Paulus nimmt seine eigenen Schwächen nicht nur an, sondern freut sich an ihnen: „Deswegen bejahe ich meine Ohnmacht, alle Misshandlungen und Nöte, Verfolgungen und Ängste, die ich für Christus ertrage; denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.“ (2Kor 12,10). Paulus verkörpert perfekt die Wahl Gottes, der unsere Schwächen auswählt, damit seine Stärke in ihnen aufleuchtet.

„Paulus nimmt seine eigenen Schwächen nicht nur an, sondern freut sich an ihnen“

Das heutige Evangelium zeigt uns genau diese menschliche Ratlosigkeit und Herzenshärte angesichts der göttlichen Weisheit. Jesus geht in seine Heimat, Nazareth, und geht in die Synagoge, um zu lehren. „Und die vielen Menschen, die ihm zuhörten, gerieten außer sich vor Staunen und sagten: Woher hat er das alles? Was ist das für eine Weisheit, die ihm gegeben ist! Und was sind das für Machttaten, die durch ihn geschehen! 3 Ist das nicht der Zimmermann, der Sohn der Maria und der Bruder von Jakobus, Joses, Judas und Simon? Leben nicht seine Schwestern hier unter uns?“ Es werden fünf Fragen gestellt, von denen drei auf die göttliche Herkunft Jesu und zwei auf die menschliche Herkunft hinweisen. Die Wunder, die Weisheit und die Wundertaten, die Jesus getan hat, zeigen, dass er kein einfacher Rabbi ist. Andererseits verwirren die menschlichen und einfachen Ursprünge die Menschen so sehr, dass sie ihn skandalisieren (vgl. Mk 6,3). Angesichts dieses Doppeldenkens erinnert Jesus sie an etwas aus der Geschichte Israels, als wolle er die Härte und den Unglauben ihrer Herzen brechen: „‚Nirgends ist ein Prophet ohne Ansehen außer in seiner Heimat, bei seinen Verwandten und in seiner Familie.“ (Mk 6,4). Die Folge des Unglaubens ist, dass Jesus dort „konnte dort keine Machttat tun; nur einigen Kranken legte er die Hände auf und heilte sie.“ (Mk 6,5). Die Haltung der Landsleute Jesu ist ähnlich wie die des Volkes Israel, zu dem Ezechiel gesandt wurde. Sie hatten nicht die Haltung des Psalmisten, der auf das göttliche Handeln achtet und nicht wie Paulus erkennt, dass sich Gott in der Schwäche offenbart. 

„Die Wunder, die Weisheit und die Wundertaten, die Jesus getan hat, zeigen, dass er kein einfacher Rabbi ist.“

Der Schluss des heutigen Evangeliums ist verblüffend: „Und (Jesus) wunderte sich über ihren Unglauben“. Tatsächlich wurden viele Zeichen gegeben, sei es in Wundern oder in den Worten voller Weisheit und Autorität, die von Jesus kamen. Aber sie zogen es vor, sich mit den bescheidenen und bekannten Ursprüngen von Jesus zu beschäftigen.

Seien auch wir aufmerksam, denn Gott hat sich entschieden, seine Herrlichkeit durch einfache Werkzeuge zu offenbaren. Das ist das Wasser in der Taufe, die Erscheinung des Brotes in der Eucharistie, das göttliche Wort, das in der Liturgie ausgesprochen wird, usw. Mögen sich unsere Herzen öffnen, um die göttliche Gegenwart auch in der Einfachheit der Meditationen zu erkennen und zu lieben, denn das Zeichen Gottes ist seine Demut, und auf diese Weise lädt er uns ein, ihm zu folgen. Amen!

Elton Alves, Missionar der Lebensgemeinschaft der Kath. Gemeinschaft Shalom, Verheiratet, Theologe und promovierender in der Theologischen Fakultät in Lugano, Schweiz


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