Bei einem historischen Besuch des spanischen Archipels rückt der Heilige Vater die Migrationskrise ins Zentrum der weltweiten Debatte und richtet einen eindringlichen Appell gegen die Gleichgültigkeit.
Nach intensiven Tagen apostolischer Tätigkeit in Barcelona ist Papst Leo XIV. an diesem Donnerstag, dem 11. Juni, auf den Kanarischen Inseln gelandet. Dieses Ziel beschließt seine Spanienreise mit tiefer pastoraler Symbolik: In den letzten Jahren ist der Archipel zu einem der wichtigsten Eingangstore für Tausende von Migranten geworden, die vor Armut, Gewalt und Konflikten in ihren Herkunftsländern fliehen, um Europa zu erreichen.
Mit der Wahl dieser Region lenkt der Pontifex den Blick der ganzen Kirche und der Welt auf das menschliche Drama jener, die ihr eigenes Leben in maroden Booten aufs Spiel setzen, allein getrieben von der Suche nach Hoffnung und Würde.
„Wir dürfen uns nicht daran gewöhnen, die Toten zu zählen“
Der eindrücklichste Moment des Tages ereignete sich im Hafen von Arguineguín, einem Ort, der zum sichtbaren Symbol der Migrationskrise in der Region geworden ist. Vor zivilen Behörden, humanitären Helfern, Freiwilligen und den Migranten selbst hielt Leo XIV. eine eindringliche Ansprache, die das internationale Gewissen berührte:
„Wir dürfen uns nicht daran gewöhnen, die Toten zu zählen.“
Die Rede des Papstes war eine direkte Auseinandersetzung mit der „Globalisierung der Gleichgültigkeit“. Er erinnerte daran, dass hinter den kalten, von den Medien verbreiteten Statistiken Gesichter, Geschichten, Familien und vom Meer zerbrochene Träume stehen.
Der Nachfolger Petri stellte mit Nachdruck fest, dass „die Menschenwürde keinen Pass kennt“, und betonte, dass der Wert eines Lebens niemals von Nationalität, wirtschaftlicher Lage oder Migrationsstatus abhängig gemacht werden dürfe. Für den Papst ist das Leid der Migranten ein dringender Ruf, der die Christen und die Zivilgesellschaft unmittelbar herausfordert.
Ein Programm des Zuhörens und der internationalen Verantwortung
Während seines Aufenthalts auf den Kanarischen Inseln stellt das Programm des Papstes die Kultur der Begegnung und der Nähe in den Vordergrund. Geplant sind Momente des Dialogs mit:
- Migranten und Flüchtlingen, die von den örtlichen Gemeinschaften aufgenommen wurden;
- humanitären Organisationen und Freiwilligen, die an vorderster Front der Aufnahme tätig sind;
- kirchlichen Einrichtungen, die sich Projekten der sozialen Integration und der Förderung des Menschen widmen.
Die Kontinuität einer Kirche im Aufbruch
Die Geste Leos XIV. setzt das Erbe von Papst Franziskus fort, der stets darauf bestand, die Migrationsfrage auf der Tagesordnung der internationalen Gemeinschaft zu halten. Indem er eine der schmerzlichsten und komplexesten Grenzen der heutigen Welt betritt, festigt der gegenwärtige Pontifex die Rolle der Kirche als sicherer Hafen der Barmherzigkeit und Leuchtturm der sozialen Gerechtigkeit.
Von Christiane Sales