Ein herrlicher Anfang? Oder auch das längste Gebet Jesu in der Bibel.

Evangelium zum 7. Sonntag nach Ostern (Lesejahr A) Joh 17,1-11 Diese Stelle ist ein längeres Gebet Jesu. Er blickt auf sein Wirken in der Welt zurück und auf seine Auferstehung zum Vater hin. Gleichzeitig betet er für die Welt, die er hinterlässt. Beim ersten lesen fiel auf, dass wir in dem Text sehr oft auf das Wort Herrlichkeit oder Verherrlichung stoßen und habe mich gefragt, was dieses Wort überhaupt heißt. Wir können es heute oft nur umschreiben. Herrlichkeit beinhaltet für mich das Wort Schönheit, Vollkommenheit, Kostbarkeit. Verherrlicht heißt für mich etwas in seiner vollen Schönheit zu sehen, anbetungswürdig – auf Jesus und Gott bezogen-, etwas groß zu machen, etwas losgelöst von unserer Vorstellung zu sehen. Jesus spricht in diesem Text ...

Unsere Liebe Frau von Fatima, bitte für uns!

Zwischen Mai und Oktober des Jahres 1917 erschien Unsere Liebe Frau sechsmal drei jungen portugiesischen Kindern auf einem Feld, der Cova de Iria, in der Nähe des kleinen Dorfes von Fátima, ungefähr siebzig Meilen nördlich von Lissabon. Die Kinder, die die Erscheinungen bekamen, waren in einem frommen Milieu erzogen worden. Es waren die zehnjährige Lucia dos Santos und ihr jüngerer Cousin Francisco und ihre Cousine Jacinta. Sie hüteten zusammen die Schafe und oft knieten sie sich auf freiem Feld nieder, um den Rosenkranz zu beten. „Betet, betet viel und bringt Opfer für die Sünder, denn viele Seelen kommen in die Hölle, weil sie niemanden haben, der sich opfert und für sie betet“, sagte die Muttergottes von Fatima in einer ihrer ...

Die Predigt von Papst Franziskus am Sonntag der Barmherzigkeit

Am vergangenen Sonntag haben wir die Auferstehung des Meisters gefeiert, heute erleben wir die Auferstehung des Jüngers. Eine Woche ist vergangen, eine Woche, die die Jünger, obwohl sie den Auferstandenen gesehen hatten, in Furcht und hinter »verschlossenen Türen« (Joh 20,26) verbrachten, und es nicht einmal schafften, den einzigen Abwesenden, Thomas, von der Auferstehung zu überzeugen. Was tut Jesus angesichts dieser ängstlichen Ungläubigkeit? Er kehrt zurück, begibt sich in dieselbe Position, »in die Mitte« der Jünger, und wiederholt denselben Gruß: »Friede sei mit euch!« (Joh20,19.26). Er fängt wieder von vorne an. Die Auferstehung des Jüngers nimmt hier ihren Ursprung, in dieser treuen und geduldigen Barmherzigkeit, in der Entdeckung, dass Gott nicht müde wird, seine Hand nach uns auszustrecken, um uns nach ...

Jede Berufung geht aus dem liebevollen Blick hervor, mit dem der Herr uns begegnet ist

Liebe Brüder und Schwestern! Am 4. August letzten Jahres, dem 160. Todestag des heiligen Pfarrers von Ars, habe ich an die Priester, die jeden Tag ihr Leben für den Ruf des Herrn zum Dienst am Volk Gottes hingeben, einen Brief geschrieben. Bei dieser Gelegenheit habe ich vier Schlüsselworte – Schmerz, Dankbarkeit, Lebensmut und Lobpreis – gewählt, um den Priestern zu danken und sie in ihrem Dienst zu stützen. Ich denke, an diesem 57. Weltgebetstag um geistliche Berufungen kann man diese Worte vor dem Hintergrund der Erzählung des Evangeliums von der besonderen Erfahrung, die Jesus und Petrus während eines nächtlichen Sturms auf dem See von Tiberias machen (vgl. Mt 14,22-33), aufgreifen und an das ganze Volk Gottes richten. Nach der Brotvermehrung, die unter der Menge ...

Wortlaut der Predigt von Papst Franziskus am 27. März 2020

»Am Abend dieses Tages« (Mk 4.35). So beginnt das eben gehörte Evangelium. Seit Wochen scheint es, als sei es Abend geworden. Tiefe Finsternis hat sich auf unsere Plätze, Straßen und Städte gelegt; sie hat sich unseres Lebens bemächtigt und alles mit einer ohrenbetäubenden Stille und einer trostlosen Leere erfüllt, die alles im Vorbeigehen lähmt: Es liegt in der Luft, man bemerkt es an den Gesten, die Blicke sagen es. Wir sind verängstigt und fühlen uns verloren. Wie die Jünger des Evangeliums wurden wir von einem unerwarteten heftigen Sturm überrascht. Uns wurde klar, dass wir alle im selben Boot sitzen, alle schwach und orientierungslos sind, aber zugleich wichtig und notwendig, denn alle sind wir dazu aufgerufen, gemeinsam zu rudern, alle müssen ...

Metanoia: Wieder auf der richtigen Spur

„Bekehre uns, vergib‘ die Sünde“.  So fangen wir die Fastenzeit am Aschermittwoch singend an. „Aber was genau ist Bekehrung? Was möchte Jesus eigentlich mit dieser Einladung zu sich „bekehren“? Dazu hilft uns der ursprüngliche griechische Begriff: Wo das Evangelium über Bekehrung spricht, meint es eigentlich Metanoia. Metanoia ist mehr als „tut Buße“, wie es uns einige Übersetzungen darstellen. Metanoia könnte man mit dem Bild von Umkehr aus unserem Verkehrsschilderungssystem übersetzen. Wir sind demzufolge in dieser Fastenzeit eingeladen, darauf zu schauen, wo wir in die falsche Richtung gehen. Es geht darum, wieder auf dem richtigen glücklichen Pfad zu gehen. Und dafür muss man sich Zeit nehmen, unsere alltäglichen Schritte zu betrachten. Manchmal fokussieren wir uns vielmehr auf die Anzahl unserer Schritte, ...

WAS IST DAS REICH GOTTES?

Womit sollen wir das Reich Gottes vergleichen? Mit welchem Gleichnis sollen wir es beschreiben? Jesus stellt diese Frage und antwortet darauf mit allen möglichen Bildern, Vergleichen aus der Natur, der Landwirtschaft, dem Geschäftsleben, praktisch aus allen Lebensbereichen. Aber nie gibt er eine genaue Definition, nirgendwo sagt er: Das Reich Gottes ist das und das. Aber was ist es wirklich? Um was hat Jesus uns zu beten gelehrt, als er gesagt hat, dass wir Gott bitten sollen: „Dein Reich komme“? So frage ich mich selber: Um was bitte ich Gott, wenn ich ihm im Vaterunser täglich diese Bitte ans Herz lege?   Im Neuen Testament kommt das Wort „Reich Gottes“ mehr als 130 Mal vor. Aber was ist es? Wie soll ...

NICHT RICHTEN, SONDERN RETTEN

Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Evangelium am Sonntag, 11. März 2018 (Joh 3,14-21) Für mich ist dieses Wort Jesu wie ein Schlüssel zu seinem Herzen. Es sagt, worum es Jesus wirklich gegangen ist. Und es zeigt den Weg, den er gegangen ist. Es ist ein Kernsatz des Evangeliums, eine Einladung, diesem Wort zu vertrauen und daraus zu leben. In einem langen nächtlichen Gespräch hat Jesus dem jüdischen Ratsherrn Nikodemus anvertraut, worum es ihm geht, worauf es ankommt: „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, ...

KOMM, GEIST DER LIEBE UND DES FRIEDENS!

Gebet des Heiligen Vaters Papst Johannes Paul II zum zweiten Jahr der Vorbereitung auf das Große Jubiläum des Jahres 2000 II. Jahr: Heiliger Geist Heiliger Geist, du Gast, der die Herzen erfreut, laß uns den tiefen Sinn des Großen Jubiläums erkennen mach uns innerlich bereit, es im Glauben zu feiern, in der Hoffnung, die nicht trügt, in der Liebe, die keinen Lohn erwartet. Geist der Wahrheit, Gedächtnis und Prophetie der Kirche, der du die Tiefen Gottes ergründest, führe die Menschheit dahin, daß sie in Jesus von Nazaret den Herrn der Herrlichkeit, den Retter der Welt, die höchste Vollendung der Geschichte erkennt. Komm, Geist der Liebe und des Friedens!  Schöpfergeist, verborgener Urheber des Reiches Gottes, lehre die Kirche kraft deiner heiligen ...

„Nicht mutlos werden“

Christen sollten nicht den Mut sinken lassen – auch wenn ihnen ihre Sünden zu schaffen machen. Das sagte Papst Franziskus an diesem Sonntag bei seinem Angelusgebet am Petersplatz. Stefan von Kempis – Vatikanstadt „Wir dürfen nicht mutlos werden, wenn wir unsere Grenzen sehen, unsere Sünden, unsere Schwächen: Gott ist da, Jesus ist am Kreuz, um uns zu heilen. Das ist die Liebe Gottes! Auf das Kreuz blicken und innerlich sagen: Gott liebt mich. Es ist schon wahr, diese Grenzen, Schwächen und Sünden gibt es. Aber nicht vergessen: Gott ist größer als unsere Schwächen, unsere Untreue. Schauen wir auf das Kreuz, und gehen wir weiter!“ Der Vierte Sonntag der Fastenzeit ist der Sonntag Laetare, der Sonntag der Freude. „Denn so fängt ...